10 Jahre Natura 2000-Station Unstrut-Hainich/Eichsfeld – 10 Jahre Engagement für Naturschätze in der Region
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Die Natura 2000-Station Unstrut-Hainich/Eichsfeld feiert ihr zehnjähriges Bestehen mit drei Jubiläumswanderungen. Seien Sie bei den kostenfreien Wanderungen dabei und erfahren Sie Details zu den Naturschutzprojekten der letzten zehn Jahre!
„Ich freue mich sehr, mit der ersten unserer drei Jubiläumswanderungen unsere erfolgreiche Arbeit vorzustellen und zu würdigen. Wir starten am Samstag in Hütscheroda im Wartburgkreis, wandern am Sonntag (10.05.) im Unstrut-Hainich-Kreis und beenden unsere Festwoche mit einer Wanderung im Eichsfeld (16.05.). In diesen drei Landkreisen sind wir als Station aktiv“, erläutert Dr. Juliane Vogt, Leiterin der Natura 2000-Station Unstrut-Hainich/Eichsfeld. „In den letzten zehn Jahren haben wir fast zehn Millionen Euro an Fördermitteln einwerben können. Aus einem Euro, den das Umweltministerium in unsere Station investiert hat, wurden sieben Euro für Natur- und Artenschutz generiert. Mit diesen Mitteln wurden rund 80 größere und kleinere Projekte umgesetzt, die der Natur dienen, aber auch zu wirtschaftlicher Wertschöpfung in der Region beitragen. Öffentlichkeitsarbeit mit Wanderungen, Veranstaltungen und Fachvorträge über Natura 2000-Lebensräume und die darin lebenden Arten und die Betreuung von Abschlussarbeiten gehörten ebenfalls dazu“, so Vogt weiter.
„Als Nationalparkverwaltung arbeiten wir eng mit der Natura 2000-Station Unstrut-Hainich/Eichsfeld und auch mit anderen Stationen des Netzwerks zusammen. Der Fokus unserer eigenen Naturschutzarbeit liegt im Nationalpark, während die Mitarbeitenden der Station mit Projekten für die Arten und wertvollen Lebensräume außerhalb der Nationalparkgrenzen aktiv sind. Wir gratulieren herzlich zum zehnjährigen Jubiläum“, so Rüdiger Biehl, Leiter des Nationalparks Hainich.
Die Natura 2000-Station Unstrut-Hainich/Eichsfeld, in Trägerschaft der Wildtierland Hainich gGmbH, wird – wie auch die anderen Stationen – vom Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten gefördert. Die Station nahm als erste der zwölf Thüringer Natura 2000-Stationen im Mai 2016 ihre Arbeit auf. Ihre Aufgabe ist es, für die wertvollen Natura 2000-Schutzgebiete und die dort lebenden Arten, Naturschutzmaßnahmen zu planen und Fördermittel einzuwerben, um diese umzusetzen. Dabei arbeiten die Stationen eng mit Behörden, Landnutzern, Flächeneigentümern und Ehrenamtlichen zusammen.
Viele Arten und Lebensräume fanden in der früheren Naturlandschaft durch natürliche Dynamiken ihre Nische. Seit der Mensch die Landschaft fast flächendeckend nutzt, haben viele dieser Arten Ersatz in der extensiven Kulturlandschaft wie auf Trockenrasen, in Feuchtgebieten oder in lichten Wäldern gefunden. Aber auch diese Lebensräume sind heute aufgrund veränderter Nutzungsformen gefährdet. Beispielsweise fand die seltene Gelbbauchunke, die ursprünglich in dynamischen Flussauen vorkam, ihre Ersatzlebensräume in extensiver landwirtschaftlicher Nutzung und zuletzt auch auf Truppenübungsplätzen. Beide sogenannten „Sekundärlebensräume“ sind inzwischen selten, so dass die einst im Wartburgkreis häufige Unke heute stark gefährdet ist. Seit 2017 setzt die Station zahlreiche Maßnahmen für die kleine Unke um, die von der Anlage und Pflege von Tümpeln, über die Renaturierung kleinerer Fließgewässer, die Etablierung von passender Nutzung wie Beweidung bis hin zur Nachzucht reicht, um die Bestände in den optimierten Gebieten zu unterstützen.
Weitere erfolgreiche Naturschutzprojekte sind unter anderem:
- Waldbiotopverbund für die Wildkatze zur Vernetzung von Wildkatzenwäldern
- Renaturierung von wertvollen Kalktuffquellen
- Wiederherstellung und Pflege von artenreichen Wacholderheiden
- Entbuschung und Pflege von orchideenreichen Magerrasen
- Anlage und Pflege von Laichgewässern für gefährdete Arten wie Laubfrosch und Kammmolch
- Aufbau einer Landschaftspflegeherde mit Schafen und Ziegen zur Beweidung artenreicher Weideflächen, für die kein Landwirt gefunden werden kann
- Management von lichten Wäldern für Zielarten wie Frauenschuh und Hirschkäfer gemeinsam mit ThüringenForst und der Fachhochschule Erfurt
- Pflege von Streuobstwiesen
- Anlage von Vernetzungsstrukturen (dauerhafte Feldraine) in der Agrarlandschaf
- Haltung und Betreuung von Luchsen für die Auswilderung in Thüringen, Deutschland und Europa
Von den umgesetzten Naturschutzprojekten profitierten Tierarten wie Gelbbauchunke, Wildkatze, Luchs, Hirschkäfer, Rotmilan, Neuntöter, Spechtarten, verschiedene Tagfalter, Fledermäuse und viele weitere Arten. Bei den Pflanzenarten sind der Frauenschuh, Knabenkräuter und weitere Orchideen, viele seltene Pflanzenarten der trockenen und feuchten Magerrasen, aber auch unbekanntere wie der Kammfarn, der in Mooren vorkommt, zu nennen. So konnte ein wichtiger Beitrag für die Artenvielfalt und damit den Erhalt unserer Lebensgrundlagen in Westthüringen beigetragen werden.
Fakten zur Arbeit der Natura 2000-Station Unstrut-Hainich/Eichsfeld in den letzten zehn Jahren:
- rund zehn Millionen Euro Fördermittel für die Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen eingeworben; aus einem Euro, den das Umweltministerium in die Station investiert hat, wurden rund sieben Euro für Natur- und Artenschutz generiert
- rund 80 Einzel-Naturschutzprojekte (kleinere und größere)
- über 50 Veranstaltungen (Wanderungen, Schulungen, Feste)
- rund 100 Presseinformationen und dadurch viele Berichte in Print, Funk und Fernsehen rund um Natura 2000
- über 100 Fachvorträge bei Tagungen, Kongressen und Workshops
- zahlreiche Artikel in Fachzeitschriften
- Betreuung von rund zehn Abschlussarbeiten im Naturschutz (Bachelor, Master)
Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, an den Wanderungen im Stationsgebiet teilzunehmen. Alle Teilnehmenden erhalten einen Jubiläumskeks. Anmeldung unter www.nat-2000.de/veranstaltungen