Bitte nicht anfassen! Wildkätzchen im Wald lassen

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Im Frühjahr werden in vielen Wäldern wieder junge Europäische Wildkatzen gesichtet. Die gute Nachricht: Die einst seltene Art breitet sich zunehmend wieder aus. Gleichzeitig wächst jedoch eine neue Gefahr: Immer wieder werden Wildkatzenjungtiere von Spaziergänger*innen mit vermeintlich ausgesetzten Hauskätzchen verwechselt und aus dem Wald mitgenommen.

Wildkater Carlo balancierend auf einem dünnen Holzstamm

Das kann tödliche Folgen für die jungen Wildkatzen haben. Der BUND appelliert daher eindringlich: Graugetigerte Kätzchen im Wald bitte nicht anfassen oder mitnehmen. Das Wildkatzen-Infotelefon ist täglich von 10 bis 18 Uhr im BUND Wildkatzendorf Hütscheroda erreichbar und vermittelt bei Sichtung oder Fragen an Wildkatzen-Experten der Region.

Thomas Mölich, Projektleiter des „Rettungsnetz Wildkatze“ beim BUND Thüringen: „Die Wildkatze kehrt in viele Regionen Deutschlands zurück, auch in Thüringen hat sie ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet weitgehend zurückerobert – der Thüringer Wald, das Thüringer Schiefergebirge und der Greiz-Werdauer-Wald im Osten Thüringens werden inzwischen wieder von Wildkatzen bewohnt. Besonders erfreulich ist auch die Wildkatzenpopulation in der thüringischen Rhön, sie erreicht nach neuesten Monitoringergebnissen inzwischen die Dichte des Nationalparks Hainich. Lediglich in Ost-Thüringen ist die Wildkatzendichte vergleichsweise niedrig.“

Trotz dieser positiven Entwicklung besteht ein Problem weiterhin: Jungtiere von Wildkatzen werden häufig mit Hauskatzen verwechselt und aus ihrem Lebensraum verschleppt. „Die Umweltbildungsangebote des BUND Wildkatzendorf Hütscheroda greifen u. a. dieses Thema auf und sensibilisieren bei täglichen Schaufütterungen, Angeboten für Schulklassen oder Ferienangeboten wie dem „Wilden Donnerstag“ über die Verwechslungsgefahr und dass die Wildkatzen im Wald gelassen werden sollen. Zudem betreuen wir im Wildkatzendorf Hütscheroda täglich von 10 bis 18 Uhr das Wildkatzen-Infotelefon“, so Dr. Katrin Vogel, Geschäftsführerin der Wildtierland Hainich gGmbH, Trägerin des Wildkatzendorfes Hütscheroda.

Wildkatzen sind keine davongelaufenen Hauskatzen, sondern echte Wildtiere. Erst kürzlich gelangen wieder Nachweise in anderen Regionen Deutschlands, in denen die Art lange verschwunden war, beispielsweise in Schleswig-Holstein und in Brandenburg. Die Anwesenheit der Wildkatze gilt als wichtiger Indikator für naturnahe und artenreiche Wälder.

Zum Verwechseln ähnlich

Wildkatzen sehen graugetigerten Hauskatzen ähnlich. Zudem lässt das alleinerziehende Muttertier seine Jungen während der Mäusejagd im Versteck zurück. Werden die neugierigen Jungtiere beim Spielen entdeckt, wirkt es oft so, als seien sie hilflos verlassen.

Friederike Scholz, Koordinatorin des „Rettungsnetz Wildkatze“ beim BUND: „Was wie Hilfe aussieht, ist oft das Gegenteil: Wird ein gesundes Wildkätzchen mitgenommen, sinken seine Überlebenschancen drastisch. Die Tiere sind sehr empfindlich, vertragen kein übliches Katzenfutter und können sich schnell mit Krankheiten von Hauskatzen infizieren.“

Die Europäische Wildkatze kehrt in ihre ursprünglichen Verbreitungsgebiete zurück. Doch gerade in Regionen mit noch kleineren Beständen kann jede Entnahme die Ausbreitung der Art gefährden.